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Kazuhiro Sawada
Aus unserem Nachbarland Belgien kam erstmals der bescheidene und freundliche
JKA-Trainer Kazuhiro Sawada zum Gasshuku 2005 nach Hannover. Er wurde am 25.
Februar 1952 in Hamamasu bei Sapporo auf der nördlichen Insel Hokkaido geboren.
Auf der Highschool betrieb er Baseball, Tischtennis und Kobudo. Bereits als
14jähriger Schüler hatte er mit dem Karatetraining begonnen. Sein erster Lehrer
war Joko Iwata, ehemals Captain der Karate-Mannschaft der Taisho Universität.
Er empfahl den jungen Studenten an seinen Freund und Trainer an der Taisho:
Norihiko Iida, den bekannten JKA-Instructor und buddhistischen Priester. Nach
dem Besuch der Highschool ging K. Sawada 1971 also zum Studium der
amerikanischen Literatur und Sprache nach Tokyo an die Taisho Universität.
Iida-Sensei ist kein Unbekannter bei uns, weilte er doch auf Einladung seines
persönlichen Freundes Hideo Ochi bereits mehrmals als Trainer bei Gasshukus und
Kata-Specials in Deutschland. Er und ein weiterer JKA-Instructor, Kensei
Hayakawa, nahmen den jungen Studenten Sawada unter ihre Fittiche. An der
Taisho-Universität unterrichtet Iida-Sensei vornehmlich stilübergreifend Kumite,
denn neben dem Shotokan werden dort auch andere Karate-Stile betrieben, unter
anderem Shito Ryu.
Im letzten Jahr seines Studiums war Sawada-Sensei zum Captain der Taisho
Kampfmannschaft aufgestiegen. Dabei machte er auch die Bekanntschaft von Hideo
Yamamoto, der zu jener Zeit in seinem ersten Studienjahr in die Kampfmannschaft
an der Takushoku Universität berufen wurde. Nach dem Abschluß des Studiums ging
K. Sawada in die berühmte Instructor-Class am Honbu Dojo der JKA zur Ausbildung
zum Instructor. Aber bereits nach drei Monaten erhielt er einen Ruf als
Assistenz-Trainer nach Belgien.
Der damalige Chief-Instructor des belgischen Karateverbanders, JKA Instructor
Satoshi Miyazaki, bat seinen JKA-Kollegen Iida um die Vermittlung eines jungen
Assistenten für seine Arbeit in Belgien. Iida empfahl ihm den jungen Sawada. So
brach der Student-Instructor seine Ausbildung bei der JKA im April 1975 ab und
ging in unser Nachbarland, um bei Miyazaki zu assistieren und zu lernen. Er
blieb dort bis 1984 und kehrte nach Japan zurück, weil inzwischen einige
herausragende belgische Karateka die Aufgaben als Assistenten von S. Miyazaki
übernehmen konnten. An ihrer Spitze stand neben anderen der herausragende
Wettkämpfer und Techniker Sergio Gneo, der heute eine der führenden
Persönlichkeiten des europäischen JKA-Karate ist.
Zurückgekehrt nach Japan nahm K. Sawada eine berufliche Tätigkeit als
Sachbearbeiter bei der Stadtverwaltung von Turu in der Yamanashi-Präfektur auf.
Abends trainierte er in privaten Dojos und unterrichtete an den dortigen
Highschools sowie der Universität. Nachdem Satoshi Miyazaki im Mai 1993
gestorben war, bat ihn der belgische JKA-Verband um die Rückkehr nach Belgien,
um als Trainer und Instructor zu helfen.
Für K. Sawada hat Karate sein Leben bereichert. Durch die Bekanntschaft mit
Iida-Sensei kam er zu S. Miyazaki und lernte viele belgische und europäische
Karateka kennen. Er hat erfahren, wie Menschen auf unterschiedliche Weise
lernen und wie sich bei ihnen Verhaltensänderungen einstellen. Dies macht ihn
glücklich und er kann sich ein Leben ohne Karate nicht mehr vorstellen.
Einen Monat bevor Taiji Kase im November 2004 starb, nahm Ochi-Sensei K. Sawada
zu einem letzten Besuch bei dem Großmeister nach Paris mit. Das Gespräch mit
dem Sterbenden hat ihn sehr bewegt und in ihm die Idee von Karate verfestigt,
daß das gegenseitige Verständnis eines der wesentlichen Elemente ist und nicht
ein Stil oder gar ein Verband.
Erstmals hat Sawada-Sensei bei einem deutschen Gasshuku als Trainer mitgewirkt.
Ihn hat besonders die Disziplin und Freude der Teilnehmer beeindruckt. Er war
erstaunt, daß schon morgens um 7 Uhr so viele Karateka im Gi zum Kata-Training
erscheinen und nach einer Stunde Pause im nächsten Training stehen. Die
Teilnehmer folgen interessiert und gespannt den Ausführungen der Lehrer beim
Training, sie sind ganz bei der Sache. Das beeinflußt wiederum die Trainer in
ihrem Engagement.
Die vielen verschiedenen Nationalitäten mit unterschiedlichen Sprachen aus ganz
Europa haben keine Schwierigkeiten miteinander zu trainieren und am Abend sich
im großen Festzelt bei Musik und Gesprächen zu treffen. Die überall spürbare
positive Atmosphäre hat nach Sawada-Senseis Ansicht wesentlich zu den großen
Erfolgen des Gasshuku in Deutschland beigetragen. So hat es ihm selbst Freude
bereitet, beim morgendlichen Kata-Training teilzunehmen, wenn er nicht selbst
als Trainer eingesetzt war.
© Dr. Fritz Wendland |