Shojiro Koyama

Karate: ein lebenslanger Lernprozeß

Der am 4. Dezember 1935 in Tokyo geborene JKA-Instructor Shojiro Koyama gehört mit zu den wenigen Karateka, die Gichin Funakoshi noch persönlich kennen gelernt und unter ihm trainiert haben. Mit 15 Jahren begann Koyama-Sensei mit dem Karate als Schüler der Hosei High School. Der spätere langjährige JKA Generaldirektor und Instructor Kimio Ito wurde sein erster Karate-Lehrer. Nach der High School wechselte S. Koyama an die Hosei Universität, um Betriebswirtschaft zu studieren und sein Karate-Training fortzusetzen. An der Hosei Universität (an der Funakoshi-Sensei in den 1920er Jahren bereits Karate unterrichtet hatte), trainierte er unter anderem mit dem zwei Jahre älteren JKA-Instructor  Takayuki Mikami. Mit 16 Jahren legte S. Koyama bereits die Prüfung zum Shodan ab.

Nach Abschluß seines Studiums im Jahre 1958 arbeitet Koyama-Sensei zunächst drei Jahre in der Verkaufsabteilung einer Stahlfirma. Während seiner Berufstätigkeit war er Coach des Karate-Teams der Hosei-Universität. Ab 1961 schrieb er sich erneut an der Universität für ein Aufbaustudium ein und intensivierte sein eigenes Karatetarining. Als er im Jahre 1964 nach Phoenix an das Physical Education Department der Arizona State University als Karate-Instructor berufen wurde, hatte er den 3. Dan.

Aus dem ursprünglich auf zwei Jahre vereinbarten Aufenthalt als Karate-Instructor in Arizona  sind nun mittlerweile über vierzig Jahre geworden. Nach Ende seiner Lehrtätigkeit an der State University forderte ihn das State College derTucson Arizona University als Karate-Lehrer für die Studenten an.

Der damalige JKA Chief-Instructor Masatoshi Nakayama berief Koyama-Sensei zum Dan-Prüfer für die Western Region der USA. Im Jahre 2003 wurde er zum 8. Dan der JKA graduiert und in das Shihan-kai der JKA berufen. Bis zum Frühjahr 2007 war er Collegiate Chairman der International Shotokan Karate Federation (ISKF) und zugleich Chairman der USA Western Region der ISKF (die ISKF war bis zum Frühjahr 2007 die US Branch der JKA). Heute arbeitet er mit den JKA Instructoren Mikami und Takashina in der JKA American Branch zusammen (die ISKF, und mit ihr T. Okazaki ist in diesem Sommer aus der JKA ausgeschieden).

Shojiro Koyama bringt einen bedenkenswerten Aspekt in die seit einiger Zeit bestehenden Irritationen innerhalb der JKA World Federation (WF). Er wurde von der JKA als eine Art Botschafter ins Ausland geschickt, um die damals noch junge und wenig bekannte Kampfkunst Karate zu unterrichten und zu verbreiten. Solch einen Auftrag gibt man nicht zurück, man bleibt seiner entsendenden Organisation treu, auch wenn man mit den zur Zeit an der Spitze stehenden Personen möglicherweise nicht einverstanden ist. Diese führenden Männer sind nicht auf ewig bestellt. Sie werden eines Tages gehen und neue Konstellationen werden entstehen. Für Koyama-Sensei gilt daher: „Wer als JKA-Instructor seine Organisation von sich aus verläßt, der gibt Bushido auf.“

Er gibt einige wertvolle Anregungen für das lebensbegleitende Karate. Wer im fortgeschrittenen Alter erst mit Karate beginnt, sollte sich nur kleine Ziele setzen, die man auch erreichen kann und keine große „Philosophie“ verfolgen. Erkenntnisse ergeben sich durch das Tun. Shojiro Koyama hat sich mit folgenden Fragen intensiv beschäftigt, die es wert sind, reflektiert zu werden: Sport und Karate-Dolebenslanges Karate-Do sowie Karate und die Philosophie des Kei (körperlich gesundes Leben, geistige Reifung, Unterstützung der Familie, Betrachtung über den Sinn des Lebens mit fortschreitendem Alter, Vorbereitung auf den Tod).

Koyama-Sensei faßt diese Philosophie des Kei (nach dem chinesischen Philosophen Sou Shushinchu) auf Karate bezogen wie in den vier Jahreszeiten zusammen: Der Frühling als Periode des Blühens und Wachsens bedeutet im Karate das Erlernen der Technik, der Sommer als Zeit der Reife ist der Wettkampf, der Herbst als Erntezeit bedeutet die Beschäftigung mit der Frage nach dem Sinn des Karate und seiner Techniken, der lange Winter schließlich dient dem möglichst langen Erhalt der eigenen Fähigkeiten, der Weitergabe und der Hilfe der nächsten Generation (z.B. der Kinder) im Karate-Do.

© Dr. Fritz Wendland

Zurück zur Übersicht